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Was ist der tiefste Ursprung meines Gefühls von Selbstwertmangel? Wie kann ich wieder in eine tiefe, beständige Verbindung mit meinem wahren Selbst gelangen?

  • 3. Aug.
  • 4 Min. Lesezeit

Zu Beginn nehme ich ein starkes Gefühl im Solarplexus wahr. Es erscheint zunächst nicht als klares Bild, sondern eher als eine Atmosphäre. Es fühlt sich an wie Selbstbestrafung, Selbstaufgabe und Selbstzerstörung. Nach und nach entsteht das Bild von etwas Klösterlichem, verbunden mit einer tiefen Form der Selbstkasteiung. Es ist, als würde ich mich selbst in eine Ecke zurückziehen und mich vollständig entwerten.


Das Gefühl ist eindeutig: Ich bin nichts wert. Ich bin unwürdig. Ich bin der letzte Dreck.


Interessant ist dabei, dass ich diesen Zustand zwar deutlich wahrnehme, ihn aber nicht vollständig fühle. Ich beobachte ihn eher, als wäre er ein altes Muster, das sich zeigt.


Im Feld taucht das Bild einer selbst zugefügten Wunde auf. Es erinnert an Harakiri. Darin liegt nicht nur Schmerz, sondern paradoxerweise auch die Vorstellung von Erlösung – als würde das Verbluten eine Art Befreiung versprechen. Gleichzeitig wird deutlich, dass es sich um etwas handelt, das sich immer wiederholt. Ein altes Programm.


Dann tritt das eigentliche Thema hervor: Schuld.


Es fühlt sich an, als hätte ich etwas Wesentliches nicht erfüllt. Vielleicht konnte ich jemanden nicht schützen. Vielleicht war ich nicht fähig zu helfen. Dieses Gefühl wird sehr präsent.


Während ich zunächst vollständig mit meinem eigenen Selbstvorwurf beschäftigt bin – mit Selbstmitleid, Selbstanklage und dem Gefühl der Unwürdigkeit –, verändert sich plötzlich die Perspektive.


Mir wird bewusst, dass ich in all dem überhaupt nicht bei meinen Liebsten war. Ich war ausschließlich mit mir selbst beschäftigt. Nun zeigt sich eine neue Szene. Ich begegne meiner Frau und meinen Kindern – allerdings nicht während des eigentlichen Geschehens, sondern danach. Es ist, als wären wir alle bereits aus unseren Körpern herausgetreten. Die brutale Situation selbst bleibt nur verschwommen im Hintergrund. Stattdessen begegnen sich unsere Seelen. Über dieser Szene liegt eine tiefe Ruhe.


Es besteht überhaupt kein Bedürfnis, das Geschehene noch einmal zu analysieren oder auszudiskutieren. Wir schweben gewissermaßen über der Situation. Es geht nicht mehr um Schuld oder Anklage, sondern um eine andere Ebene des Seins.


Währenddessen taucht eine Erinnerung aus meiner Kindheit auf.

Ich sehe mich im Krankenhaus nach einer Operation. Ich war acht oder neun Jahre alt. Mein Bruder war zunächst bei mir, wurde aber früher entlassen. Ich blieb allein zurück. In einer Nacht schrie ein anderer junger Mann im Zimmer verzweifelt. Damals entstand in mir das Gefühl, als wäre der Tod selbst anwesend. Ob der Mann tatsächlich gestorben ist, weiß ich nicht. Sicher ist nur, dass diese Erfahrung mich tief erschütterte.


Schon damals verließ ich innerlich meinen Körper. Es war eine Form der Dissoziation – ein Schutzmechanismus, weil die Situation für mich nicht auszuhalten war. Mir wird klar, dass dieses Muster schon sehr früh entstanden ist. Immer dann, wenn Gefühle zu überwältigend wurden, zog sich ein Teil meines Wesens zurück. Das Feld lädt mich nun ein, diesen abgespaltenen Anteil wieder wahrzunehmen.


Die entscheidende Erkenntnis lautet:

Nicht, die Vergangenheit verändern zu müssen, sondern den Anteil zurückzuholen, der damals die Schuld übernommen hat. Es geht nicht darum, Schuld auf mich zu nehmen. Es geht darum, den Seelenanteil anzunehmen, der sie seit so langer Zeit trägt. Nur dadurch kann Heilung entstehen.


Langsam zeigt sich, welcher Anteil damals verloren gegangen ist. Es ist nicht nur der Anteil, der Schuld trägt. Es ist zugleich der Anteil, der für Würde, Kraft, Stärke und einen gesunden Stolz steht – die gesunde männliche Energie. In den damaligen Situationen konnte ich nichts tun. Weder damals noch als Kind im Krankenhaus war ich wirklich in der Lage zu helfen. Dennoch habe ich daraus geschlossen, nichts wert zu sein.


Genau hier liegt der Ursprung des Selbstwertmangels.

Ich lade diesen Anteil bewusst wieder zu mir ein. Dabei wird deutlich, dass noch etwas fehlt: Vergebung. Ich spreche aus: "Ich vergebe mir, dass ich diese Schuld auf mich genommen habe." Währenddessen beginnt sich etwas zu lösen. Besonders im Beckenbereich spüre ich, wie sich alte Spannungen langsam lösen. Es fließt noch zäh, aber es fließt.


Ich frage mich, wie ich nun dauerhaft in Verbindung mit meinem wahren Selbst bleiben kann. Dabei wird mir bewusst, dass der zurückgekehrte Anteil gar nicht von außen kommt. Er war die ganze Zeit in mir. Jetzt darf er sich einfach wieder ausbreiten. Es fühlt sich an, als würde sich innerlich etwas aufrichten. Nicht äußerlich, sondern tief im Inneren entsteht mehr Raum. Kein Kampf, kein Druck – vielmehr das gesunde Auffüllen eines lange bestehenden Vakuums.


Mir wird klar: Dieser Zustand ist mein Geburtsrecht.

Es geht nicht darum, etwas Neues zu entwickeln oder zu erschaffen. Es geht darum, das freizulegen, was immer schon vorhanden war. Alles, was mich klein gemacht hat – Erfahrungen, Glaubenssätze und alte Verletzungen –, darf sich lösen. Dann kommt nichts Neues hinzu.


Das Wahre war die ganze Zeit da. Es war lediglich verschüttet. Auch Würde, Kraft und Stolz waren niemals verschwunden. Sie durften sich nur nicht zeigen.


Jetzt entsteht ein weiterer wichtiger Impuls:

Ich darf mir erlauben, dass meine innere Kraft auch nach außen sichtbar wird. Nicht aus Überheblichkeit. Nicht aus Geltungsbedürfnis. Sondern weil sie aus meinem Inneren kommt. Ich darf die Handbremse lösen. Vielleicht sogar ganz abbauen.


Zum Abschluss entsteht noch ein einfacher Anker für den Alltag. Tief einatmen. Mich aufrichten. Ausatmen. Und dabei spüren, wie meine innere Würde, meine Kraft und mein gesunder Stolz auch nach außen wirken dürfen.


Nicht, weil ich etwas beweisen muss. Sondern weil genau das ein Geschenk ist – für mich selbst und für die Menschen, denen ich begegne.


Die abschließende Erkenntnis dieser Lesung lautet:

Das, wonach ich suche, war niemals verloren. Mein wahres Selbst war immer da. Heilung bedeutet nicht, etwas Neues zu erschaffen, sondern all das loszulassen, was den Zugang zu diesem ursprünglichen Sein verdeckt hat.

 
 
 

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